Meine Texte

Ich schreibe und füttere damit mein Herz. Viele meiner Texte entstehen im Alltag. Manche an Festtagen. Manche haben eine verdichtete, poetische Form anderen sind Erzählungen oder Beschreibungen von Gedanken, die mich umtreiben. Hier findest Du eine lose Sammlung dieser Texte - ähnlich einem digitalen Notizbuch.

ahnen
dass das licht
und die wärme
ihren weg finden
in mein herz

hoffnung wächst leise
unbemerkt vom lärm der welt
an zarten zweigen
lässt sich nicht aufhalten
vom kalten gegenwind
und eisiger zurückweisung
sondern streckt sich
trotzend
dem zunehmenden licht entgegen

die graue alltagsschicht
nur ein kleines bisschen
abkratzen
und sehen
ob darunter
nicht doch ein stück himmel
leuchtet

heute lasse ich
der zuversicht
ein fenster offen
wenigstens einen spalt
mit geschlossenen augen
kann ich es so riechen
das frühlingsgrün
und hoffnungsgelb
das trotzorange
und mutrot
das mich leise
aufatmen lässt

dass du heute
einem menschen begegnest
der dir mitten
im alltagsmischmasch
ein stückchen himmel
ins herz spiegelt
das wünsche ich dir

ich wünsche dir
seligkeitsdinge
die in keinem laden stehen
ein lächeln
ein lied
ein licht
habseligkeiten
die den raum füllen
mit wärme
und das herz
mit dankbarkeit
und funkelndem glück

Der frühe Vogel singt
mit gebrochenem Flügel
sein Hoffnungslied
im Morgengrün
der heller werdenden Welt
erzählt
von ungelebten Träumen der Nacht
und alter Scham
zwischen den Bäumen
hängen die Ängste noch
wie Nebelschwaden
und klagen den Liebenden ihr Leid
warten ungeduldig
auf den Anbruch der Verwandlung
im Morgenrot des Tages
fließt leise zwischen die Zeilen
Dankbarkeit,
wie goldenes Licht
bricht die Nebelschaden der Sorge
in alle Farben der 
Zuversicht.

ich halte
mein tränenschweres herz
in wärmende strahlen
sie durchleuchten nicht
meinen fehlenden mut
meine schwindende hoffnung
meine wachsende schwäche
sie erleuchten 
sanft
meine zarte durchlässigkeit
meine feine verletzlichkeit
meine zerbrechliche empfindsamkeit
vorsichtig
bringt ihr goldenes licht
mein verwundetes menschsein
zum leuchten

Mögest Du behütet in die Nacht gehen, umgeben von wärmendem Licht. 
Mögest Du abgeben können, was schwer auf deinen Schultern lastet und deine Seele unruhig umhertreibt.
Mögest Du Ruhe finden, die dein Körper so dringend braucht und in der heilende Kraft liegt.
Schützende Flügel mögen dich bergen und heller Frieden möge sich ausbreiten in deinem Herz.

der sorgennebel
durchbrochen
von hellen strahlen
die sichtbar machen
was sonst unsichtbar bleibt:
hoffnung leuchtet

auf dem boden liegen
und den blumen von unten
beim wiegen zuschauen
das gras spüren
und die erde, die mich hält
die wärme einatmen
und langsam aufatmen
der himmel flüstert leise:
ich bin da

behütet und beschirmt
losziehen
schritt für schritt
meinen weg suchen
der wind
mein gefährte
flüstert leise:
lass dir an meiner gnade genügen

dass du
die kostbarkeiten dieser zeit
einfangen kannst
und dir ab und zu
die seligkeiten dieser tage
in den schoß fallen
dass du taschen und herz
füllen kannst
mit sommerwarmer heiterkeit
das wünsche ich dir

zwischen nacht und tag
zwischen nicht mehr und noch nicht
zwischen angst und hoffnung
zwischen abschied und neubeginn
zwischenleuchten

dass die sonne aufgeht 
über deinem beet
und regen fällt
zur rechten zeit,

dass geduld und mühe
sich auszahlen
und dein tun
unter einem guten stern steht

dass aufblüht
was du gepflanzt hast
und samen sich verwandelt
in segen,

das wünsche ich dir

Dass du begleitet in die Nacht gehen kannst, auch wenn die Hitze des Streits dir noch in den Knochen steckt, auch wenn die Kälte der Worte, dir noch den Rücken herunterläuft.
Dass du begleitet in die Nacht gehen kannst, umfangen von Segen, der sich anfühlt, wie eine erfrischende Dusche oder eine wärmende Decke- genau so, wie du es gerade brauchst.

dass dir
von zeit zu zeit
das herz überläuft
vor dankbarkeit
und seligem glück
dass es überfließt
in geöffnete hände
und du großzügig teilen kannst
von dem, 
was du an segen 
empfangen hast,

das wünsche ich dir

Am Ende dieses langen Tages
voller erhitzter Gemüter
und aufgeheizter Debatten
möge Ruhe einkehren in dein Haus.

Am Ende dieses langen Tages
voller sorgenvoller Gedanken
und unheilvoller Ahnungen
möge Frieden einkehren in dein Herz.

Am Ende dieses langen Tages
voller aufwirbelnder Worte
und geladener Stimmungen
möge Segen sich legen auf dein Gemüt,

dass du getrost der Nacht entgegen gehen kannst.

ein bisschen wunder
unerklärte unendlichkeit
eingefangen
in einem kostbaren moment
seligkeit

dass du
das wunder des lebens 
bestaunen kannst
jeden tag aufs neue
fasziniert stehen bleibst
mit offenen augen

das wünsche ich dir

 

Nicht allein

Vielleicht hilft in den Nächten unseres Lebens nichts mehr als die Vorstellung, nicht allein zu sein. Das da eine Kraft ist, die uns hält, ein Licht das uns tröstet, ein Engel, der schützend seine Flügel um uns legt. 
Vielleicht suchen wir besonders in den Nächten unseres Lebens nach einer Begleitung, der wir nicht zu viel sind und in deren Gegenwart wir sein dürfen, wie wir sind: schwach, verletzlich, voller Sehnsucht. 
Vielleicht spüren wir in den Nächten unseres Lebens besonders, dass wir uns guten Mächten anvertrauen dürfen, die uns wunderbar bergen, hüten, trösten. 


das glück suchen
aufbrechen
träumen
von neuen ufern
leben 
von goldmomenten
luft und liebe
atmen
der himmel
mein zelt
ein dach
für meine sehnsucht

unverhofft gefunden

zufällig getroffen

ungeplant entdeckt

wegrandgold

himmelweit
geöffnet
tor und tür
augen und mund
herz und seele
auf das
hoffnung und güte
einziehen

 

neuen perspektiven 
die tür öffnen 
mit klopfendem herzen 
 
neuen blickwinkeln 
die seele öffnen 
mit weichen knien 
 
raum schaffen 
dem, was heimat sucht 
 
wer hätte mit dem himmel gerechnet? 

ich übe

 

zulassen

weglassen

zurücklassen

verlassen

offenlassen

einlassen

loslassen

sein lassen

ich übe

vertrauen

dass du
dem leben
mit heiterer gelassenheit
begegnen kannst
und in dir
die idee
raum findet:
ich darf wachsen

 

das wünsche ich dir

Das langsame Werk der Liebe 

Jedes Mal, wenn etwas Neues entsteht, mache ich diese Erfahrung: Um etwas Neues zu schaffen, bedarf es eines Stadiums der Instabilität, der Bruchstückhaftigkeit. Manchmal hält diese Phase sehr lange an, manchmal nehme ich sie kaum wahr, weil ich im Prozess des Schaffens aufgehe. Aber es gibt sie immer, wenn etwas Neues entsteht. 
Manchmal ist es leicht, diese Phase der Instabilität auszuhalten, ist doch das Ziel klar vor Augen. 
Manchmal ist es herausfordernd, diese Phase der Unvollkommenheit auszuhalten, ist doch das schrittweise Reifen einer Idee nicht zu beschleunigen. Oft würde ich dann gerne die Zwischenstadien überspringen, bin ungeduldig auf dem Weg zu etwas Neuem. 
Vielleicht darf ich mir selbst erlauben diese Gefühle der Angst, Anspannung und Unvollkommenheit zu akzeptieren. 
Vielleicht darf ich annehmen, dass ich den Prozess des Werdens nicht durch Zwang beschleunigen kann. 
Vielleicht darf ich in das langsame Werk der Liebe vertrauen. 

einen ort haben
an dem ich sicher bin
ein nest
das mein zuhause ist
seelenruhig
fallen 
in weiche kissen
herzenstief 
wissen
ich darf sein

aufsammeln
was liegen blieb
einsammeln
was freude bringt
versammeln
was die seele stärkt
spüren
was zusammengehört
verbinden
was alleine war
neues schaffen
aus dem
was schon ist

öffne
die augen
das fenster
die seele


weite 
die arme
den blick
das herz

heiße willkommen
den morgen
die sehnsucht
das leben

beginne

Genug

Heute Abend will ich es genug sein lassen. Genug Fragen. Genug Wut. Genug Freude. Genug Sorge. Genug Dank. Genug Unverständnis. Genug Glück. Ich nähe einen Knopf an diesen Tag. Behutsam. Bewusst. Er lässt sich nun schließen. Vielleicht knöpfe ich ihn mir eines Tages wieder vor. Schaue nach und spüre, was geblieben ist von dem was war.
Für heute aber, ist es genug.

die schale aufbrechen
die mich lang klein 
gehalten hat
mühsam einen weg suchen
durch die dunkelheiten meines herzens
zittern angesichts der aufgabe
weinen - wachstum kann schmerzen
den kopf heben
den himmel in den blick nehmen
mich ziehen lassen vom licht
spüren, dass frischer wind weht
mutig raum einnehmen
voll zuversicht erwarten
was werden will

manchmal
schließe ich die augen
lausche der sehnsucht
die mich schmerzlich erinnert
was alles nicht ist
weine um menschen, orte, träume
die fehlen in meinem leben

manchmal
schließe ich die augen
sehnsuche die hoffnung
die mich liebevoll erinnert
was mein herz wärmt
vertraue den leisen tönen
dass sich gutes finden lässt 
in dieser welt

der hoffnung trauen
und ihrer grünen spur
folgen durch karges land
quellen finden
die altes heilen und
neues aufblühen lassen
der hoffnung trauen
und nicht müde werden
das gras wachsen hören

dass du dir
aus der fülle des lebens
nehmen kannst
was dir entspricht 
und dir gut tut
dass du satt wirst 
an leib und seele
und frieden einzieht 
in dein herz
das wünsche ich dir

möge das
was in dir eingefroren ist
sich dem himmel entgegenhalten
und im licht
der aufgehenden sonne
zu glitzern beginnen

dass durch die
risse deiner seele
das licht scheint
und
dein verwundetes herz
wärmt
das wünsche ich dir

dem glück
nachhören
lauschen
ob es nicht doch noch
leise
knistert

ich seh
mich
in dir
manchmal verschwommen
wie durch wasser
gebrochen
manchmal ganz klar
wie im licht
gespiegelt
seh ich
in dir 
mich

#Gedanken

Wie würde unsere Welt wohl aussehen, wenn wir alle heute den Frieden im Briefkasten entdecken würden? Lauter Friedensangebote: mühselig erarbeitet, lang ersehnt, unerwartet. Botschaften des Friedens: Es tut mir Leid. Ich habe einen Fehler gemacht. Du bist mir wichtig. Vielleicht würden diese Postkarten etwas zum Leuchten bringen, das bisher nicht zu sehen war. Etwas in uns anrühren, das unter dicken Pullovern bisher ungesehen blieb. Wie ein kleines Kind, das vorsichtig seine Hand auf meine Brust legt und leise flüstert: "Ich mag Dich." Vielleicht braucht es manchmal diese Berührung von Außen: Den Brief im Kasten. Die Hand auf meinem Herz. Damit ich ihn selbst (wieder) spüren kann: Den Frieden in mir. 

Bild: farbflausen.de

dem himmel
will ich mich öffnen
verletzlich
will ich mich zeigen

dem licht
will ich mich entgegenhalten
durchlässig
will ich empfangen

dem leben
will ich mich mitteilen
gegenwärtig
will ich sein

ich wünsche mir
ein Engel
möge dich begleiten
einer, der keine Angst hat
vor dem unbekannten Weg
und Mut für zwei
einer, der die Freiheit genießt
und die Verbundenheit feiert
einer, der den Wundern
entgegenhüpft
und ab und zu 
das Gras wachsen hört
einer, der manchmal auf dem Kopf steht
und die Welt aus einer anderen Perspektive betrachtet
einer, der weiß
wann du eine stärkende Hand im Rücken brauchst und einen sicheren Ort im Herzen
einer, der das Leben liebt
das du lebst

du bist mein winter
mein herz
zart und leise
zeigst du dich der welt
anmutig und schön
einzigartig
wie eine der unzähligen schneeflocken
die lautlos 
in mein leben schweben
ich teile mit dir
die trauer
und die festtage
und trotz der kälte
die dich manchmal umgibt
wachsen zarte blumen
an deinem kleid
das leben 
sagst du
beginnt im winter

Segensleuchten

Mögest Du Menschen begegnen,
die von Innen heraus leuchten
und möge ihr Licht
deine Dunkelheit
erhellen.

Mögest Du dich anstecken lassen
von der Idee,
dass auch dein inneres Licht
diese Welt verändern kann.

Mögest Du wissen um deinen Wert
unabhängig von deiner Leistung
und möge dieses Wissen
dein Herz zur Ruhe kommen lassen.

Möge in dir die Hoffnung Raum finden,
dass es aller Widrigkeiten 
zum Trotz Sinn macht,
an eine hellere Welt zu glauben.

Möge die Liebe dich umgeben
und ihre Wärme 
deine Nacht
behutsam zum Leuchten bringen.


dass du 
dich liebevoll 
öffnen kannst
dem, was in dir wohnt

dass du
dich zärtlich 
zuwenden kannst
dem, was heilung sucht

dass du
dich achtsam
lösen kannst
von dem, was gehen darf

dass du
dich mutig 
einlassen kannst
auf das, was kommt

dass du
frieden findest
für dein herz
das wünsche ich dir

Vielleicht heißt Weihnachten
Raum schaffen für 
Schwachseindürfen,
für Nichtgenügen,
Bedürftigsein.
Vielleicht kann Weihnachten
eine Einladung sein,
mein Unvermögen,
meine Verletzlichkeit
nicht als Makel zu sehen
sondern als 
Erkennungsmerkmal meiner Menschlichkeit.
Vielleicht heißt Weihnachten,
die Zuwendung zur Menschlichkeit feiern.

Ich schick Dir einen Engel für die Nacht

 
Einen, der sich zu dir legt,
wenn Dir die Kraft zum Aufstehen fehlt.
Einen, der die Schwäche mit dir aushält,
wenn die Ohnmacht übermächtig zu werden droht.
Einen der die Schmerzen lindert, 
wenn die Sehnsucht nach Heilung groß ist.

Möge dieser Engel seine Flügel schützend um dich 
legen und Du aufatmen können in seiner Gegenwart.

Leuchten

Als ich die Augen wieder aufmache, ist es Nacht. Im Zimmer ist alles dunkel. Nur der Fernseher leuchtet im standby-Modus. Ich scheine eingeschlafen zu sein. Kein Wunder nach all den Anstrengungen der letzten Tage, ach was Wochen! Monate!
Ich blicke stumm in die Dunkelheit. Irgendwann fällt mein Blick auf die Kerzen des Adventskranzes, der noch auf dem Tisch steht. Ich zünde eine an. Sofort verändert sich der Raum. Die Dunkelheit scheint nicht mehr ganz so übermächtig. Gedankenverloren sehe ich die Kerze an. Mein Kopf ist voll und gleichzeitig ganz leer. "Komisch, diese Gleichzeitigkeit", murmle ich vor mich hin. "Wie kann es gleichzeitig voll und leer sein, dunkel und hell?"
Meine Frage bleibt unter der Zimmerdecke hängen.
Die Kerze flackert und die Flamme zuckt immer wieder. Dann brennt sie wieder ganz ruhig. Fast bewegungslos. Ich rücke ein Stück näher an die Kerze heran. Schaue ruhig und konzentriert in die Flamme. Wahnsinn, wie hell sie leuchtet! Das Feuer fasziniert mich - schon immer! Plötzlich ist mir, als würde die Kerze leise flüstern: "Was bringt DICH zum Leuchten?". Ich muss schlucken. So richtig gestrahlt, mit großen Augen bewundert, geleuchtet von ganz tief Innen? Das scheint mir Jahre her zu sein. Zu viel "du solltest dies, du solltest das! Pass auf, dass Du nicht auffällst! Tanz nicht aus der Reihe! Nein - keine Extrawurst heute! Auch nicht für Dich! Wie oft habe ich diese Sätze gehört und wie tief haben sie sich eingegraben in mein Gedächtnis.
Aber die Kerze lässt nicht locker. "Was bringt DiCH zum Leuchten?" wiederholt sie ihre Frage. 
Stumm blicke ich in das helle Licht. Bilder steigen auf vor meinem inneren Auge: Ich vor den leuchtenden Kerzen des Tannenbaumes mit einem neuen Puppenhaus im Hintergrund. Ich zwischen Bücherstapeln, ganz vertieft in mein Lieblingsbuch. Ich ganz oben auf dem Siegertreppchen beim Weitsprung-Wettbewerb. Ich in Omas Garten zwischen Himbeerbüschen und Apfelbäumen. Ich mit meinen besten Freunden unterwegs- das erste Mal campen.
Unwillkürlich legt sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Die Erinnerungen wärmen mich von innen.
"Was bringt DICH zum Leuchten?" - die Frage klingt immer noch in meinem Ohr.
"Vielleicht", denke ich: "Weniger 'was ich tun müsste' und mehr 'was mir entspricht'. Dinge, die ich gerne tue. Menschen, die ich gerne treffe. Orte, die ich gern besuche.
Ich schließe entspannt die Augen. Die Kerze leuchtet vor meinem inneren Aufge noch immer- geradeso, als würde ich weiter in die Flamme schauen.
"Das Feuer brennt in Dir" , flüstert sie. "Lass es leuchten".

auf der schwelle
im türrahmen der möglichkeiten
stehe ich
erwartungsfroh
im licht

manchmal 
wirst du mir zum engel
deine flügel sind meist unsichtbar
und manchmal 
kenne ich nicht einmal deinen namen

ich nenne dich
himmelsmensch
und botin der guten mächte

du hast keine angst 
vor dem schmerz
hälst die fragen aus
weist den weg der veränderung
und trägst die flagge der versöhnung

dein herz schlägt für die menschlichkeit
und manchmal steckst du mich an 
mit deiner schöpferkraft

manchmal wirst du mir zum engel
weil dein sanfter flügelschlag
schwung bringt
in mein herz

ich setze meine hoffnung
in ein boot
hisse die segel
setze den hut auf
und öffne langsam meine hand
die hoffnung flattert 
als der fahrtwind
ihr durch die flügel fährt
ich halte mein herz
in durchsommerte tage
und lasse los

du sagst: licht
ein kleines licht
für die nacht
als erinnerung:
ich bin da

zwischen lassen und los
die seele spüren
dem frieden raum geben
innehalten
gnade empfangen
danken
mich achtsam
neu öffnen
dem kommenden

ankommen

Sie ist alt, diese Sehnsucht. Sie ist mir so vertraut, wie mein Lieblingspulli, der auch noch nach Jahren im Schrank hängt. Ich kenne ihre Farbe, drücke meine Nase in den vertrauten Geruch und halte sie an mein klopfendes Herz. Die Sehnsucht fragt, nicht, ob es gerade in meinen Terminkalender passt, dass sie mal eben vorbei könnte. Sie klopft weder, noch bittet sie um Erlaubnis eintreten zu dürfen. Vielleicht war sie auch nie weg, hat es sich nur gemütlich gemacht in einem der hinteren Winkel. Aber manchmal, wenn es draußen kalt ist und drinnen die Lichter entzündet werden, sucht sie sich ihren Weg. Sie setzt sich neben mich, schaut mich fragend an und schweigt. Ich schaue schweigend zurück. "Na?", meint sie nach einer Weile: "Wann warst Du das letzte Mal bei Dir Zuhause?". Sie schaut mich interessiert an. Ich muss schlucken. "Ein paar Wochen her..." murmle ich gedankenverloren vor mich hin. "Vielleicht auch länger..." . Ich atmen einmal tief ein und lasse die Luft ganz langsam wieder ausströmen. "Wär mal wieder an der Zeit, glaub ich.", denke ich. "Aber der Weg ist so weit!", sage ich. "Mmhhh". Die Sehnsucht nickt verständnisvoll. "Vielleicht musst Du erstmal wissen, wo Du hinwillst, bevor Du dich auf den Weg machst oder was meinst Du?". Aufmunternd schaut sie mir ins Gesicht, in dem sich die Anspannung der letzten Wochen in feinen Lienien abzeichnet. "Ankommen, ich will einfach nur ankommen.", seufze ich. Eine Weile sitzen wir stumm nebeneinander. "Weißt du?", sage ich nach einer Weile: "Die Waage stimmt nicht! Auf der einen Seite ist zu viel Gewicht! Wie früher, wenn ich mit Oma Weihnachtsguatzle gebacken habe! Die Gewichte auf der einen Seite waren zu schwer. Das Mehl schwebte. Wir mussten es umverteilen. So lange, bis die Waage wieder im Gleichgewicht war." Ich schweige. "Was beschwert dich denn?" fragt mich die Sehnsucht nach einer Weile. Ich muss nachdenken. "Zuviel: 'weil man das so macht' und zu wenig 'weil es dir entspricht' glaub ich" und muss schlucken. Ich dachte doch, da wär ich drüber weg. Und nun schon wieder diese Schleife. Hört das denn nie auf? "Mmmh kann schon sein" murmelt die Sehnsucht neben mir und lässt offen, ob sie sich auf das Ungleichgewicht oder das Aufhören bezieht. "Was entspricht Dir denn?" will sie dann wissen. "Kreative, manchmal ungewöhnlich oder pragmatische Wege finden. Ehrlich, echt, authentisch sein, meiner Intuition folgen, an Worten hängen bleiben und weiterspinnen, verstehen wollen..." sprudelt es plötzlich aus mir heraus. "Und irgendwie, irgendwo immer noch das Gute sehen." Ein Lächeln schleicht sich leise auf mein Gesicht. "Danke" murmle ich und als ich mich zur Seite umdrehe ist da nur noch dieser vertraute Geruch.


vergiss nicht
die sehnsucht zu fragen
nach dem weg
sie kennt ihn nicht
aber sie folgt 
dem licht

wenn du aufbrichst
wünsche ich dir
dass einer dir den rücken stärkt
dir flügel verleiht
und wurzeln
dass er dir wasser reicht
und ein frisches stück brot
das du eingewickelt
in liebevolle fürsorge
dich hoffnungsfroh 
entwickeln kannst

und wir sind ein kunstwerk
geschaffen aus farbe und licht
geformt aus lebendigen zeichen
liebvoll gezeichnet in raum und zeit

und du leuchtest in deiner farbe
trägst im herzen ein strahlendes licht
veränderst die welt mit deinen ideen
und siehst am himmel dein eigenes blau

und wir sind ein kunstwerk
erschaffen als ausdruck der liebe
zum leben
gemeinsam unterwegs 
zum licht

verbunden und frei
zwischen erde und himmel
zwischen mir und dir
zwischen demut und mut
zwischen heute und morgen
zwischen bauch und kopf
tanzt mein herz

dass du Menschen begegnest
die von innen
stahlen wie sterne
dass sie dich anstecken
mit ihrem feuer
und ihrer strahlkraft
dass ihr licht
das leuchten in dir
reflektiert
das wünsche ich dir